Vernachlässigung der sozialen Betreuung

Mehr als 2,6 Millionen Pflegebedürftige gibt es inzwischen in Deutschland. Das ergibt die aktuelle Pflegestatistik, welche alle zwei Jahre erhoben wird. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um fünf Prozent erhöht. Sieht man sich die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes vom 12.03.2015 genauer an, so fällt auf, dass die soziale Betreuung von pflegebedürftigen Menschen nur am Rande thematisiert wird.

In Pflegeheimen waren im Jahr 2013 dafür lediglich vier Prozent des Personals vorgesehen. Soziale Betreuung wirkt sich aber nachweislich positiv auf den Gesundheitszustand der Senioren aus. Wir können uns aber alle einig sein, dass Gespräche, Zuspruch und eine gute soziale Betreuung maßgeblich dazu beitragen, den Gemütszustand zu verbessern.

Darüber hinaus finden die häuslichen Betreuungsleistungen gar keinen Eingang in die Pflegestatistik. Pflege scheint nach wie vor nur Aufgabe von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten zu sein. Das geht an der Realität vorbei.

Hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland wollen oft bis zuletzt in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Meist sind es die Angehörigen, die dann helfen, obwohl sie keine professionelle Ausbildung im Umgang mit Pflegebedürftigen haben. Mehr als zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen (71% bzw. 1,86 Millionen) werden Zuhause versorgt. Bei der häuslichen Pflege und Betreuung sind viele Angehörige jedoch alleine überfordert. Krankheiten wie Demenz und Persönlichkeitsveränderungen sind harte Prüfungen, die pflegenden Angehörigen alles abverlangen und alleine kaum zu bewältigen sind. Sie zeitlich zu entlasten und ihnen Hilfsangebote aufzuzeigen, ist eine zentrale Herausforderung, die der Staat nicht ausreichend annimmt. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Zumal sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird. Ändert der Gesetzgeber seine Definition von Pflege und Betreuung nicht, steuern wir in wenigen Jahren unweigerlich auf eine Katastrophe zu.

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Kommentare: 1
  • #1

    Stephine Golub (Sonntag, 05 Februar 2017 20:20)


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